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Schublade auf: Friseur, Florist - und schwul? (Bergsträßer Anzeiger 03.02.1999)
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"Man merkt`s doch auf den ersten Blick, ob einer schwul ist oder nicht." Über Bemerkungen wie die des 25jährigen Bensheimers kann Alexander von der Bergsträßer Schwulen- und Lesbengruppe "SchwuBs" eigentlich nur schmunzeln. Beweist doch ein Besuch bei Alexander und den übrigen Gruppen-Mitgliedern: Homosexualität läßt sich keinem Menschen einfach von der Stirn ablesen - und auch sonst sind viele der Klischees, mit denen Schwule und Lesben gerne bedacht werden, reiner "Nonsens". Wie beispielsweise das Vorurteil mit den "drei F`s": Alle Schwulen sind Friseure, Floristen oder Flugbegleiter. Auch darüber können Alexander und seine Freunde eigentlich nur lachen. Na gut, auch bei "SchwuBs" gibt's einen, der im Blumenladen arbeitet, einen anderen, der als Steward seine Brötchen verdient. Ein schwulen-typisches Berufsbild daraus ableiten zu wollen, ist freilich Unfug; da braucht man sich nur einmal die Jobs der übrigen "SchwuBs"-Mitglieder anzuschauen: Einer ist Postbeamter, ein anderer Hilfspolizist, und ebenso gehören ein Techniker, ein Chemielaborant, ein Architekturstudent und eine (lesbische) Verkäuferin dazu. Keine Dauer-Singles Keinen Deut wahrer ist die Behauptung, Schwule und Lesben hätten generell mit dauerhaften Partnerschaften nichts am Hut. Wohl gibt Brigitte offen zu, "ich möchte keine feste Freundin haben." Jörg und Frank sind dagegen schon über acht Jahre liiert, Treue und Ehrlichkeit sind ihnen dabei ganz besonders wichtig. Kurz, ob einer eine dauerhafte Lebens- und Liebesgemeinschaft sucht, eher auf "offene Beziehung" steht oder seine Sexualität in flüchtigen Abenteuern ausleben will, ist schlicht und einfach Typ-Sache - eben wie bei "Heteros" auch. Und natürlich hängt's auch von jedem einzelnen, ab, wie er sich einem Thema stellt, mit dem Schwule besonders gerne in Verbindung gebracht werden: nämlich dem Thema Aids und HIV. Zwar zählen homo- und bisexuelle Männer nach wie vor zu den Risikogruppen der noch unheilbaren Immunschwächekrankheit. Schwulen deshalb eine generelle Unvorsicht und Unverantwortlichkeit bei Sexualkontakten zuschieben zu wollen, ist aber mehr als "nur" ein unsinniges Vorurteil und stimmt einfach nicht. Bei Homosexuellen sei das Wissen um Ansteckungsrisiken und entsprechende Schutzmaßnahmen heute viel ausgeprägter als in heterosexuellen Kreisen, wo sich fatalerweise wieder eine (gefährliche) Leichtfertigkeit bei Sexualkontakten ausbreite, betont beispielsweise die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Was nun auch nicht heißen soll, daß jeder schwule verantwortlicher handelt als Hetero-Männer oder -Frauen. Auch hier hängt`s eben wieder vom Verantwortungsbewußtsein eines jeden einzelnen, der berühmten "Typ"-Frage ab: Bezeichnet doch schwul - beziehungsweise lesbisch - zu sein bestimmte sexuelle Gefühle und Bedürfnisse, über Charakter, Schwächen und Stärken einer Person gibt es deshalb noch lange keine Auskunft. Vielen "Heteros" scheint das bei ihren oft schwulen- und lesbenfeindlichen Vorurteilen leider immer noch nicht bewußt zu sein. Wer wüßte das besser als die Männer und Freuen von "SchwuBs": "So Leute wie ihr gehören doch erschossen oder vergast!", werde einem bei öffentlichen Auftritten wohl schon mal an den Kopf geworfen, berichtet Brigitte. Andererseits gebe es natürlich auch viele, die die Homosexualität ihrer Freunde und Bekannte als etwas völlig Normal akzeptieren, so der Gruppentenor. Schwulsein wird wohl wesentlich selbstverständlicher hingenommen als in den 70er und frühen 80er Jahren. Unter anderem könne man diese Entwicklung daran festmachen, daß sich Homosexuelle in jüngeren Jahren immer mehr "geoutet" haben. "SchwuBs"-Mitglied Heiko zum Beispiel hatte schon als 15jähriger sein "Coming-Out" und mußte eine Menge Probleme in Kauf nehmen. Die Eltern drohten mit strengem Arrest, vor allem donnerstags, wenn die Treffen der Bergsträßer Schwulen- und Lesbengruppe stattfindet, durfte er nicht das Haus verlassen. |
Probleme mit den Eltern Große Schwierigkeiten durch Mütter und Väter gab es übrigens auch vor zwei Jahren, als die "SchwuBs"-Gruppe in der Abi-Zeitung des Bensheimer Gymnasiums eine Anzeige schalten wollte. Prompt hagelte es von den Eltern massive Proteste. Daß die Anzeige, die lediglich über die Existenz einer Schwulen- und Lesbengruppe an der Bergstraße informieren sollte, nie veröffentlicht wurde, muß wohl gar nicht mehr betont werden. Ärger am Arbeitsplatz Druck können natürlich nicht nur Familie und Freunde, sondern ebenso Arbeitgeber und Kollegen ausüben. Mehrere "SchwuBs"-Mitglieder müssen deshalb ihre Homosexualität am Arbeitsplatz verschweigen. Und ein anderer schließlich, der in seiner Kirchengemeinde als Kirchenvorsteher aktiv ist, fürchtet auch hier massive Probleme, falls er sich eines Tages einmal hier "outen" sollte. Denn auch bei einem teil der Gläubigen scheint es mit der Akzeptanz Homosexueller noch lange nicht so gut bestellt, wie tolerante Kirchenkreise es schon seit langem fordern. Freilich, in der ersten Phase des "Coming-out" geht es den Betroffenen zunächst gar nicht darum, ihren Mitmenschen ihre Homosexualität erklären zu wollen. Erst einmal "muß man sich doch für sich selbst bewußt werden, daß die Gefühle, die man empfindet, etwas ganz Normales sind," erinnert sich Alexander. Die 18jährige Lesbe Biggi D. beschreibt in dem RoRoRo-Band "Eine Liebe wie jede andere" den inneren "Wirrwarr" in dieser Phase mit den folgenden Worten: "Ich fühlte mich sehr allein und völlig anders als die anderen. So verschieden wie ein Kreis in einer Welt von Quadraten! Ich paßte einfach nirgends hin. Keiner schien derartige Gefühle zu haben wie ich. Erst dachte ich, diese Empfindungen würden wieder weggehen, wenn ich sie einfach ignoriere. Aber sie wurden immer stärker." Auch die 20 Männer und Frauen aus der Bergsträßer Schwulen- und Lesbengruppe "SchwuBs" wissen längst, daß "diese Gefühle" nicht weggehen (und auch nicht weggehen brauchen); und daß sie nichts "Abnormales" oder gar "Perverses" sind, sondern ganz einfach ihre Art von Sexualität. Es macht sie nicht zu besseren oder schlechteren Menschen, verpflichtet sie nicht zur Monogamie oder dem "ewigen Singledasein", nicht zum Floristen, Friseur oder Flugbegleiter. Und vor allem: Merkt man`s keinem von ihnen auf den ersten Blick an, ob er oder sie denn schwul oder lesbisch ist. |
Folgende Texte gehören zur "Denkzettel-Aktion" die wir am 27.08.2000 in Bürstadt beim Sommerfest der DPSG durchführten.
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Mein Mann sprach an, worüber ich schon lange grübelte.
Ihm sei aufgefallen, das Felix noch nie ein Mädchen mit nach Hause gebracht habe - nur immer Freunde!
Ich bin am nächsten Tag zu unserem Hausarzt gegangen.
Er kennt unsere Familie seit unserer Hochzeit.
Ich habe offen über unsere Vermutung gesprochen.
Er gab mir nur einen Rat: " Sprechen Sie Felix niemals darauf an,
sondern warten Sie, bis er von selbst damit kommt."
Christina 56 |
Auch quälten mich immer diese Schuldgefühle. Ich wollte wissen, woher es kommt. Die Psychologin hat mir dann Material gegeben. Forschungsaussagen, die sich mit den Ursachen der Homosexualität beschäftigen. Jedenfalls ist sicher, daß es schon im Kleinstkindalter festgelegt ist. Es ist also Veranlagung. Manche sprechen von Vererbung, also ist die Ursache eine bestimmte Genkombination. Einfach gesagt, nur eine andere Form der Normalität.
Gerda 63 |
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Wir haben uns auch mit der Jugendgruppe hier in Mannheim getroffen. Dort war ein Junge, der so furchtbare Probleme mit seinen Eltern hatte.
Der war damals neu in der Comming-Out-Gruppe, erst 17, und die Eltern machten ihm die Hölle heiß. Er durfte nicht mehr ausgehen, weder in die Gruppe noch sonstwohin. ...
Wir haben ihn gebeten: " Sag deinen Eltern wenigsten, daß es uns genauso geht. Wenn sie Hilfe bräuchten, könnten sie uns jederzeit anrufen." Aber es ist nichts daraus geworden, die Eltern haben auf stur geschaltet.
Also für mich ist das falsch.
Silvia 50 |
Während Fabiola den Kaffeetisch deckte, nahm uns Sina an die Hand und führte uns durch das sehr geschmackvoll eingerichtete Haus. Sie lächelte und sagte leise, daß sie Fabiola liebe und mit ihr zusammenbleiben wolle. Mein Mann war wie versteinert. Als sie uns das gemeinsame Schlafzimmer präsentierte, drehte er sich um und schlug ihr direkt ins Gesicht. Dann packte er sie und zog sie hinter sich her.
Es entbrannte ein furchtbarer Streit...
Nina 55 |
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Von Diskriminierung kann keine Rede sein
Es gibt große öffentliche Umzüge für diese Leute in Berlin, Fernsehauftritte, juristische Aktionen, um Möglichkeiten zur Heirat Gleichgeschlechtlicher zu schaffen. All das wird toleriert. Reicht das denn nicht? In der Bibel ist zu lesen, Gott schuf Menschen und Tiere paarweise, damit sie sich vermehren sollten. Aber daß sich zwei Männer öffentlich lieben sollen, um die gute Gabe Gottes - die Sexualität auszuleben, steht dort nicht.
Johanna Riemann, Sondershausen
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Die alltägliche Diskriminierung
Ich war über die Meinung von Frau Riemann aus Sondershausen zu Homosexuellen sehr erstaunt (TA 06.01.98). Es wurde doch nicht darüber nachgedacht, daß sich zwei Männer öffentlich lieben. Vielmehr ging es um die alltägliche rechtliche Diskriminierung von homosexuellen Frauen und auch Männern. Diese Paare können sich weder die Steuern teilen noch gegenseitig Auskunft im Krankenhaus erhalten oder gemeinsame Versicherungen abschließen. Und zudem müssen viele versteckt leben, damit sie nicht Spießruten laufen. Und das, obwohl wohl niemand ernsthaft behaupten will, daß Homosexuelle krank wären.
S. Krause, Erfurt
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Erstes schwules Prinzenpaar beim Karneval
Wittenberg (dpa) - Der Karnevalsverein im sächsischen Wittenberg hat als erster in Deutschland ein homosexuelles Prinzenpaar für die kommende Saison gekürt. Das berichtete die Erste Große Wittenberger Karnevalsgesellschaft 1991. Auch Kleinstädte können Zeichen von Toleranz setzen, begründeten sie die einstimmige Wahl von Thomas Walther und Michael Fonfara. Der Verein sah sich mit der Wahl der Geschichte der Lutherstadt verpflichtet.
TAZ, 16.09.99 |
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Muslim und schwul?!
Die meisten schwulen Muslime hier in Deutschland glauben an Allah und seine Propheten, ganz gleich ob sie hier geboren oder zugewandert sind.
Strenggläubige schwule Männer sehen ihre homosexuelle Neigung als vorübergehende Prüfung an und unterdrücken sie; gründen eine Familie und leben als Macho in ihrer Sippe.
Wenn sie offen schwul leben würden, wäre ihnen der Ausschluss aus dem Familienverband sicher; deshalb gibt es viele verheiratete muslimische Schwule die heimlich in der Szene ihr schwules Leben leben.
Nur ganz wenige junge, meist hier in Deutschland geborene Muslime stehen offen zu ihrem Schwulsein.
aus box / Glaube & Kirche / Artikel Schwule Muslime und der Koran 2000 |
Homosexuell und jüdisch
Im Judentum gibt es keine eindeutige Meinung, sondern verschiedene Strömungen mit verschiedenen Lehren verschiedener Rabbiner. Die Meinungen reichen von den Orthodoxen, die Homosexualität als schwere Sünde betrachten, über liberal-orthodoxe Kreise, die Homosexuelle als kranke Menschen ansehen, für die Verständnis aufgebracht werden muss, bis hin zu liberalen Strömungen, die sagen: so lange eine gefestigte Partnerschaft besteht, ist auch diese eine menschliche Partnerschaft und als solche gut zu heißen.
"Wir sind kein Trachtentanzverein" sagen die Mitglieder der schwul-lesbischen jüdischen Gruppe Yachad aus Frankfurt. Die einen sind religiös, die anderen nur ein bisschen religiös, eher traditionell, andere weder noch.
GAB märz 2000 shalömchen! |
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Sie ist Pfarrerin...
"Nein" sie habe keinen Mann "aber dafür eine Frau".
Sabine ist Pfarrerin in der Frankfurter Heilandsgemeinde, lebt offen lesbisch. Sie habe keine Probleme mit ihrer Lebensform, die sie nicht auch gehabt hätte, wenn sie diese versteckt hätte. Nur einen Kirchenaustritt als Protestaktion hat die Gemeinde bisher hinnehmen müssen. Die Betreffende Person war absolut nicht damit einverstanden, das die Pfarrerin im Herbst 1998 Gottesdienste für Lesben, Schwule und deren FreundInnen in die Tat umsetzte.
Doch für sie ist klar, das sie nur in der Kirche aktiv sein kann, wenn sie sich auch engagiert gegen Ausgrenzung einsetzt.
Sabine Fröhlich, 37 |
Bleiberecht für homosexuelle Ausländer ? !
Hessen hat das Bleiberecht für Ausländer in Homosexuellen Partnerschaften erleichtert.
Der Hintergrund: der ausländische Partner eines Homosexuellen Paares kann seinen Aufenthalt nicht mit einer Heirat legitimieren.
Mit dem neuen Erlass soll verhindert werden, das Lebensgemeinschaften auseinandergerissen werden.
Die Ausländerbehörden sollen künftig bei einer gefestigten und auf Dauer angelegten gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft die Aufenthaltsbefugnis erteilen oder einem Visumsantrag zustimmen.
Frankfurter Rundschau 13.06.1998 |
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Ein Hamburger Polizeibeamter, der sich vor Kollegen offen zu seiner Homosexualität bekannt hatte, durfte nicht mehr Streife fahren und wurde nur noch zu Fuß oder im Innendienst eingesetzt. Nach eineinhalb Jahren in der Wache stellte ihn ein Dienststellenleiter öffentlich bloß als er ihn vor zwei Festgenommenen anherrschte: "Sie als Schwuler gehen nicht mit den beiden allein in ein Zimmer." Der betroffene Polizist sah sich daraufhin gezwungen seine Entlassung zu beantragen.
aus: Hammer/Rzadkowski, a.a.O. (Fn.4), S.364 Umfrageergebnis:
80,9% der befragten Lesben und Schwulen wurden oder werden am Arbeitsplatz wegen ihrer Homosexualität diskriminiert.
Studie Lesben und Schwule in der Arbeitswelt von 1995 |
Ein Bundesanwalt, der sich u.a. in der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft "Homosexuelle und Kirche" engagierte, für die er als Kontaktperson in einer örtlichen Tageszeitung angegeben war, wurde bei bekanntwerden dieser Tatsache und dem Bekenntnis zu seiner Homosexualität als "Sicherheitsrisiko" aus seinem bisherigen Arbeitsbereich in einen anderen versetzt und nicht mehr mit politischen, sondern nur noch mit gewöhnlichen Straffällen betraut.
aus: Hammer/Rzadkowski, a.a.O. (Fn.4), S.364 Umfrageergebnis
16,4% lassen ihre Kollegen in dem Glauben heterosexuell zu sein. Studie Lesben und Schwule in der Arbeitswelt von 1995 |